„Wir sind gut vorbereitet“

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Susan Hermenau, Mitarbeiterin bei PRISOD

Mitte Juli wird die neue Unterkunft für Geflüchtete am Blumberger Damm ihre ersten BewohnerInnen empfangen. Betreiber wird die PRISOD Wohnheimbetriebs GmbH.
„Willkommen in Marzahn!“ traf die Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Susan Hermenau in Pankow. Dort leitet sie die Gemeinschaftsunterkunft in der Mühlenstraße.


Frau Hermenau, PRISOD betreibt in Berlin bereits seit 2002 Unterkünfte für Geflüchtete. Gibt es in Marzahn Besonderheiten, auf die sich PRISOD speziell vorbereitet?
Ich bin gebürtige Marzahn-Hellersdorferin und weiß, dass die Sozialstruktur dort anders als beispielsweise in Charlottenburg ist. Trotzdem denke ich, dass es nicht schwieriger wird als anderswo. Auch in Marzahn gibt es viele Menschen, die Verständnis für die Situation von Flüchtlingen zeigen und aktiv unterstützen möchten. Manchmal müssen wir innerhalb weniger Tage ein Gebäude für den Bezug herrichten. Das ist glücklicherweise in Marzahn nicht der Fall. Hier hatten wir Zeit, mit den direkten Anwohnern in Dialog zu treten und die Ankunft bestmöglich vorzubereiten. Der Betreuungsschlüssel ist mit 10 MitarbeiterInnen – inklusive der Heimleitung – für den Sozialdienst gut aufgestellt. Um die Übergabe zu organisieren, arbeiten wir eng mit dem Bezirksamt zusammen. Wir sind gut vorbereitet.

Wie kann man sich die Arbeit mit dem Bezirksamt konkret vorstellen?
Die Bezirksstadträtin für Gesundheit und Soziales Dagmar Pohle lädt fast jede Woche zum Jour fixe, einer Arbeitsrunde zur neuen Unterkunft. Mit dabei sind dann auch das Jugendamt, das Schulamt, das Landesamt für Gesundheit und Soziales, das für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig ist, die Volkssolidarität, Vereine, bezirkliche Initiativen und die Polizei. Alle möglichen Fragen der Integration – Kita, Schule, soziale Angebote im Stadtteil – und die Bürgergespräche werden dort organisiert. Frau Pohle arbeitet sehr engagiert und vor allem praktisch orientiert. Die Kooperationsbereitschaft des Bezirks ist enorm. Transparenz wird bei ihr groß geschrieben. Frau Pohle sucht immer Wege des Dialogs. Das Bezirksamt leistet wirklich gute Arbeit und es wird viel auf die Beine gestellt.

Hat das auch mit der Ablehnung der Unterkunft durch viele BürgerInnen zu tun?
Ich denke nicht, dass die Ablehnung in Marzahn-Hellersdorf deutlich größer ist als in anderen Bezirken. Auch woanders haben viele Anwohner Angst, dass der Wert ihres Grundstücks sinkt oder dass die Kriminalitätsrate steigt. Manchmal sollen wir darüber diskutieren, wer Asyl bekommen darf und wer nicht. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, darüber zu urteilen. Asylrecht ist Menschenrecht und das müssen wir organisieren.

Können Sie die Bedenken der AnwohnerInnen denn verstehen?
Klar kann ich das. Für sie ändert sich ihr komplettes Umfeld. Meine Aufgabe ist es, Sorgen und Ängste anzuhören und herauszuarbeiten, wie man ihnen begegnen kann. Oft finden sich hilfreiche Anregungen darunter, die man konkret umsetzen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf praktische Einwände der Bevölkerung gut eingehen kann, indem man darüber aufklärt, wie ungefähr alles ablaufen wird. Viele Ängste basieren ja auch auf Bildern über die neuen Nachbarn, die wenig mit der Realität zu tun haben. Aber ich denke, da wird in Marzahn-Hellersdorf schon viel gemacht.

Für viele in Marzahn-Hellersdorf ist die Unterkunft ja als Containerdorf verschrien.
Ich würde immer von einer Gemeinschaftsunterkunft sprechen. Es handelt sich um Wohnbauten, nicht um „Behälter“, wie es die Bezeichnung „Container“ suggeriert. Wie hier in Pankow wird es in Marzahn im Erdgeschoss des einen Gebäudeteils auch Gemeinschaftsräume für Kinder, einen Computerraum, einen Wäscheraum und mehrere Aufenthaltsräume geben. Die BürgerInnen können sich aber am Tag der offenen Tür auch selbst ein Bild von der Unterkunft machen.

Wo kann ich mich als Anwohner informieren und meine Hilfe anbieten?
Am besten bei der FreiwilligenAgentur, die die Angebote aufnimmt und uns bei der Koordinierung hilft. Geplant sind Arbeitsgruppen, in denen sich Ehrenamtliche engagieren können. Diese Arbeitsgruppen können dann beispielsweise bei der Gestaltung des Geländes, der Organisation von Deutschkursen, der Kleiderkammer oder bei Ämtergängen aktiv werden. Die Heimleitung muss die Angebote natürlich prüfen. Wir wollen sicherstellen, dass sie den BewohnerInnen wirklich nützen.

Worauf sollte bei den Angeboten geachtet werden?
Mir ist es immer wichtig, dass es langfristige Angebote gibt, die auf Begegnung mit den Anwohnern abzielen. Die Menschen, die hierher kommen, haben meist einen langen und schweren Weg hinter sich und sind oft traumatisiert. Beziehungsarbeit ist da zunächst das Wichtigste. Das Team vor Ort wird dafür sorgen, dass die Menschen ankommen können und Vertrauen aufbauen. Da bringt es wenig, wenn man gleich mit großen Sachen anfangen will. Gemeinsam einen Tee zu trinken und ins Gespräch zu kommen ist oft wirkungsvoller. Die Geflüchteten sollten auch nicht in erster Linie als Opfer wahrgenommen werden. Sie selbst fühlen sich oft als Helden, die es hierher geschafft haben. Gespräche auf Augenhöhe sind da wichtig. Ich möchte aber alle dazu ermutigen, sich zu engagieren. Vor allem, wenn es nach einem erfolgreichen Asylantrag dann um die Wohnungssuche geht, ist jede Unterstützung willkommen.

In der Nähe der Unterkunft in Hellersdorf gibt es seit dem letzten Jahr das Ladenlokal „Laloka“, ein Nachbarschaftstreff auch für Geflüchtete.
Das halte ich für eine sehr gute Sache. Hier in Pankow gibt es das „Café ohne Grenzen“, in dem sich alle zwei Wochen alte und neue Berliner kennenlernen. Anfangs wurde es nur zögerlich angenommen, doch mittlerweile haben sich dort auch Freundschaften zwischen Nachbarn aus dem Kiez und Flüchtlingen entwickelt. Bei solchen Angeboten muss man direkt auf die Geflüchteten zugehen. Für die neue Unterkunft in Marzahn ist das „Laloka“ allerdings zu weit weg. Ein solcher Ort im direkten Umfeld wäre toll.

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